Zurück

Klienten machen Segeltörn auf dem Ijsselmeer

Ein Beitrag vom 10. Oktober 2019

Bereits zum dritten Mal nutzte terra nova e.V. die Kooperation mit dem Verein Klar zur Wende aus Rheine, um einen Segeltörn mit Klienten zu veranstalten. Der folgende Bericht zum Segeltörn ist aus Sicht einer Klientin (Mitseglerin) verfasst worden.

Zum dritten Mal fuhr der Verein terra nova e.V. nun mit ein paar Klienten und zwei Betreuern zu einem Segeltörn ans Ijselmeer in Holland.Der gut organisierte Törn begann am 23.07. morgens um 9.00 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück.Danach wurde gemeinsam der Bulli mit dem Gepäck bepackt. Nun konnte das Abenteuer für uns beginnen.Auf ging es mit dem Bulli in Richtung Stavoren, dem holländischen Heimathafen, wo das Segelschiff die „Dialog II“ des Vereins „Klar zur Wende“ im Hafen liegt.

Zunächst bezogen wir unsere kleinen Kojen und dann wurde der Ablauf des Törns in groben Zügen besprochen und es gab wie immer die dazugehörige Sicherheitsunterweisung durch unseren netten Skipper. Da so ein Schiff sich ja nicht von allein steuert, an- und ablegt wurden die einzelnen Aufgaben verteilt. Hierbei muss ich aber sagen, wird bei jedem Törn genau darauf geachtet, was der einzelne Klient gerade von seiner Verfassung zu leisten in der Lage ist. Denn wie im Alltagsleben eines jeden gibt es hier bei uns auch Stärken und Schwächen worauf dann geachtet wird. Es gibt genug Aufgaben an Bord und jede Klientin kann sich beteiligen auf ihre eigene Weise. Natürlich gibt es auch Herausforderungen, aber diese werden stets gemeinsam gemeistert. Das fördert den Zusammenhalt der Gruppe.Dann legten wir bei fast 40 Grad, die sich die ganzen drei Tage hielten ab und segelten los. An einer Stelle im Ijselmeer ankerten wir und zwei Seglerinnen fuhren mit dem kleinen Beiboot das wichtigste für das Abendessen einkaufen während die anderen Crewmitglieder die schönen Aussichten genossen. Als unsere Einkäufer zurück waren segelten wir noch ein wenig bis wir dann den heimatlichen Hafen wieder ansteuerten. Am Abend wurde das selbst zubereitete Essen gemeinsam auf dem Schiff verzehrt. Weiterhin gestaltete sich der Abend mit gemeinsamen lustigen Gesprächen und Spielen.Dann ging es in die Kojen und wer Lust hatte, konnte an Deck geschlafen. Ich selbst habe beide Nächte auch an Deck unter freiem Himmel geschlafen und den Blick in die Sterne und den schönen frischen Wind auf der Haut genossen. Am nächsten Morgen waren die ersten Crewmitglieder bereits um fünf Uhr auf den Beinen. Es wurde wieder gemeinsam an Deck gefrühstückt wofür zwei Crewmitglieder frische Brötchen besorgten.Danach legten wir mit dem Schiff ab und segelten zu einem Hafenstädtchen namens Medemblik, das noch keiner von uns kannte. Die Überfahrt war sehr schön und verschiedene Dinge konnten wieder ausprobiert werden. Hierzu gehörte das Segel setzen oder auch mal das Schiff selbst zu steuern, was einige von uns ausprobierten. Hierzu sei zu sagen, dass dazu auch viel Mut aufgebracht wurde

.In Medemblik bekamen wir einen Liegeplatz zugewiesen. Dieser Liegeplatz hatte einen sehr tiefen Steg, sodass das vom Schiff auf- und auch wieder absteigen sich gar nicht so einfach gestaltete, denn ein wenig geklettert werden musste schon, was einige ängstigte, aber auch hier half man sich gegenseitig und es wurde Mut zugesprochen, sodass es jeder von uns geschafft hat.Gemeinsam erkundeten wir den Ort, der sehr schön ist und anschließend gingen einige noch bei dem heißen Wetter am Strand baden und die anderen Seglerinnen nutzten die Zeit bis zum Abendessen mit einer kurzen Pause, einer kalten Dusche im Hafen oder nach Belieben. Abends wurde wieder eineselbst zubereitete leckere Mahlzeit gemeinsam eingenommen und der Abend stand wieder im Zeichen von Gemütlichkeit bei einem gemeinsamen Spiel und Gesprächen. Wir konnten noch einen schönen Sonnenuntergang im Hafen von Medemblik beobachten an diesem Abend. Geschlafen wurde wieder wahlweise in der Koje oder unter freiem Himmel an Deck. Dann war auch schon der letzte Tag gekommen, das Zurücksegeln zum Heimathafen Stavoren. Bei der Überfahrt wurde nochmal der Fahrtwind genossen, sich am Sonnendeck gesonnt und das leichte Schaukeln genossen. In Stavoren, dem Heimathafen angekommen wurden die Sachen wieder gepackt und das Schiff sauber hinterlassen. Einige gingen für die Rückfahrt Kaltgetränke kaufen und besonders mutige Seglerinnen ließen sich vom Skipper den Mast emporziehen und genossen die Aussicht mal von ganz oben, bis wir dann gut zufrieden aber auch kaputt uns auf den Heimweg machten. Um ca. 18.00 Uhr erreichten wir wieder Steinfurt und drei  unvergessliche Tage gingen dem Ende zu, woran wir uns bestimmt noch lange erinnern werden.

Nun noch ein kleines Nachwort aus meiner eigenen Sicht. Ich bin froh, dass terra nova e.V. uns so einen Törn finanziert und ermöglicht. Denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass so ein Törn für mich nicht nur drei Tage Spaß birgt, sondern pädagogisch auch sehr wertvoll ist, denn alle Klienten haben ja in irgendeiner Form oder an irgendeiner Stelle ihre Schwierigkeiten. Sei es man ist depressiv und hat seinen Tagesablauf verloren, so bietet so ein Segeltörn Struktur, was schon mit dem Aufstehen beginnt, der Einnahme regelmäßiger Mahlzeiten und einem durchorganisierten Tag, was mir persönlich Zuhause schwer fällt. Auch fördert so ein Törn das Leben in Gemeinschaft. Bei so einem Segeltörn kann man seine Stärken herausfinden und Dinge ausprobieren, wozu man sonst nicht die Gelegenheit hat. Es fördert auch die soziale Kompetenz usw.

Dieser Törn hat wieder klar bewiesen, dass so etwas sehr förderlich sein kann für die Gemeinschaft untereinander. Wenn jemand Angst hatte wurde ihm von einem anderen Klienten geholfen. Wenn jemand Mut gebrauchte für eine besondere Aufgabe so war auch schon jemand zur Stelle und sprach ihm diesen zu. So war der Törn ein Geben und Nehmen. Und zwei geschulte Betreuer waren ja auch noch zur Stelle an die man sich bei Schwierigkeiten wenden konnte.